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Transformation scheitert nicht an Programmen, sondern an Führung
Tanja Herzig erläutert, warum echter Wandel im Alltag der Organisation entsteht
Transformationen sind heute professionell organisiert: Programme, Roadmaps, Steering Committees, Projektteams. Und trotzdem bleibt der Wandel oft erstaunlich wirkungslos.
Warum?
Weil Transformation zwar gesteuert, aber nicht geführt wird.
Im Gespräch erklärt Tanja Herzig, Associate Partner bei AdEx Partners und Expertin für Organisationsentwicklung und Transformation, warum genau hier der entscheidende Hebel liegt.
Organisationsmanagerin und Transformations-Expertin Tanja Herzig spricht über die entscheidende Rolle von Führung in Transformationen.
AdEx Partners: Tanja, provokant gefragt: Warum scheitern so viele Transformationen trotz perfekter Programme?
Tanja Herzig: Weil wir Transformation an Projektteams delegieren. Programme können Struktur geben, Fortschritt messen und Abhängigkeiten managen, aber sie können keinen Wandel im operativen Alltag erzwingen. Veränderung findet nicht im Projekt statt, sondern in den Einheiten, in Meetings, in Entscheidungen, in Prioritäten. Und dort wirken keine Projektpläne, sondern Führung.
AdEx Partners: Bedeutet das, Projekt- und Programmteams sind überbewertet?
Tanja Herzig: Nein - aber sie werden oft falsch verstanden. Projektteams steuern Transformation, sie führen sie aber nicht. Sie können Rahmen setzen, Impulse geben, Transparenz schaffen. Die eigentliche Veränderung - neue Arbeitsweisen, andere Entscheidungen, veränderte Verantwortung - entsteht ausschließlich durch Führungskräfte in den operativen Einheiten. Wer glaubt, Transformation ließe sich „ausrollen“, hat Führung mit Kommunikation verwechselt.
AdEx Partners: Viele Führungskräfte sagen: „Ich bin nicht Teil des Transformationsprojekts.“ Was entgegnest du?
Tanja Herzig: Transformation fragt nicht nach Projektrollen. Führungskräfte sind Teil der Transformation, ob sie wollen oder nicht. Jede Entscheidung, jede Priorität, jedes Verhalten wirkt entweder stabilisierend oder verändernd. Wer sich nicht als aktiver Gestalter versteht, entscheidet trotzdem - nur eben für den Status quo.
AdEx Partners: Was bedeutet das konkret für Führung in Transformationen?
Tanja Herzig: Der erste Schritt ist die bewusste Einbindung von Führungskräften - nicht als „Stakeholder“, sondern als Verantwortliche. Führungskräfte müssen verstehen, wohin sich die Organisation verändert, warum und welchen Spielraum sie haben. Der zweite, entscheidende Schritt ist Befähigung: Sie müssen in die Lage versetzt werden, die Transformationsrichtung in ihren Einheiten selbst zu entscheiden und konsequent umzusetzen. Transformation ist kein Follow-the-Plan, sondern ein Führungsauftrag.
AdEx Partners: Wo siehst du aktuell die größte Lücke?
Tanja Herzig: Zwischen Ambition und Alltag. Viele Organisationen formulieren große Transformationsziele, investieren in Programme - und überlassen Führungskräfte dann sich selbst. Ohne Klarheit, ohne Entscheidungsräume, ohne echtes Mandat. Das erzeugt Frust, Zynismus und Stillstand. Transformation braucht Führungskräfte, die nicht nur eingebunden, sondern ermächtigt werden.
AdEx Partners: Was ist aus deiner Sicht der häufigste Denkfehler in Transformationen?
Tanja Herzig: Dass Alignment reicht. Tut es nicht. Einigkeit ist nett, Wirkung aber entsteht durch Entscheidungen. Führung in Transformation heißt, Richtung vorzugeben, Konflikte auszutragen und Verantwortung zu übernehmen - auch dann, wenn es unbequem wird. Wer Führungskräfte nicht in diese Rolle bringt, bekommt bestenfalls Bewegung - aber keinen Wandel. Führung ist im Alltag schon schwierig, in Transformationen potenziert sich diese Schwierigkeit nochmals. Oft unterliegen wir dem Glauben, dass Führungskräfte Führung in Transformationen automatisch können. Wir bei AdEx Partners begleiten auch die Führungskräfte durch den Transformationsprozess und befähigen im Rahmen von laufenden Projekten. Das schafft Wirkung!
AdEx Partners: Dein persönliches Fazit?
Tanja Herzig: Transformation ist keine Projektaufgabe. Sie ist eine Führungsrealität. Programme können unterstützen, aber geführt wird im operativen Geschäft. Dort entscheidet sich, ob Transformation ein PowerPoint bleibt oder tatsächlich Wirkung entfaltet.
Das Interview führte Christin Rau.